Synopse / Szenar

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I Akt

1.0. "DER KAMPF"
OVERTÜRE. DRAMATISCHE CHOREOGRAPHIE. Morales und ein anderer Mann.
Inmitten eines Sturmes erkennt man den Kampf zweier Männer. Einer fällt tot zu Boden, im Lichtschein eines Blitzes sieht man, wie der andere Mann seinen Hut zurechtrückt und die Bühne verläßt.

2.1. "DIE TOTENWACHE"
Die Vorstadt (Tänzer). Elena, Nélida, Soriano, Teresa und Vicente. Der Abgeordnete der Partei. Morales.
(Gesprochen über die Musik). Man trauert um den toten Morales. Verschiedene Bemerkungen zum meist gefürchteten und auch gehaßten Mann des Stadtviertels Palermo werden laut. Man tuschelt darüber, wie es wohl zu seinem Tod gekommen sein mag und auch über die Beziehung seiner Frau Nélida zu Soriano, dem Vertrauten und Begleiter von Morales. Die trostlose Elena bleibt abseits. In Begleitung von Soriano empfängt ihre Mutter Nélida die Beileidsbekundigungen vom Abgeordneten der Partei. Ihr Verhalten steht im Kontrast zu dem von Elena.

2.2. "DICH RUFEND..."
ARIE von Elena: Vertieft in ihren Schmerz preist Elena die Erscheinung ihres Vaters und beschwört die Erinnerung an ihn herauf. Seine Präsenz ist noch immer lebendig im Haus. "Ich weiß nicht, wie ich noch weiter leben kann, verloren suche ich Dich, rufe Dich, doch Du bist nicht da...". Trauernd beklagt sie: "Es war heute noch, daß ich in Deinen Armen war, bis heute noch glänzte die Welt und bereits ist es die Vergangenheit, die mir weh tut". Ihr Wehklagen mischt sich mit den Bemerkungen der Bewohner des Viertels. Die Erinnerung des Vaters ist so intensiv: "Ich gehe bereits ohne Träume, ohne Ziel und verlassen, Dich rufend, Dich rufend, Dich rufend...", daß er schließlich auf der Bühne erscheint.

2.3. "DIE MILONGA"
CHOREOGRAPHIE. ERINNERUNG von Elena: Morales, Soriano, Die Frau der Milonga und die Bewohner der Vorstadt.-
Elena beschwört ihren Vater als den meist gefürchteten und bewunderten Mann im Malevaje. In einer fröhlichen und vorstadttypischen Milonga, zeigt der Malevaje seine Geschicklichkeit und seinen Mut. Morales, der Guapo von Palermo glänzt zwischen ihnen. Als geschickter Tänzer und Messerkämpfer ist er respektiert von den Männern und bewundert von den Frauen. (Der Mythos des Guapo errichtet sich hier).

2.4. DIE TOTENWACHE.
"DICH RUFEND" ARIE von Elena (Abschluß)
Elena kehrt aus ihrer Erinnerung zurück und findet sich in der Totenwache wieder. Abschluß ihrer Klage: "Verloren suche ich Dich, rufe Dich ...doch Du bist nicht da".

3.1. "DIE TOTENWACHE"
Gespräche ohne musikalische Untermalung. Elena -Nélida - Soriano - Teresa - Vicente -
Die Bewohner des Stadtviertels. Nélida versucht sich ihrer Tochter zu nähern, die sie jedoch zurück weist. Soriano bittet die Frauen um Mäßigung, schon allein der Tatsache wegen, daß das ganze Viertel dem Geschehen im Hause der Morales lauscht. Die Relation zwischen den drei Personen wird deutlich: Der Haß Elenas Nélida und Soriano gegenüber, und ihr Mißtrauen gegenüber dem zweifelhaften Todes ihres Vaters.

3.2. "WELCH TROSTLOSIGKEIT"
ARIE von Nélida.
Nélida sondert sich ab und singt: "Welch Trostlosigkeit, ich bin eine Fremde hier, sie hören bereits meine Stimme nicht mehr. Welch Trostlosigkeit, ich bin dieser trockene Boden, auf dem die Liebe nicht wachsen wollte. Ich will von dem träumen, was nicht war". Eine Alte platzt in die Totenwache herein, um sie und Soriano des Todes von Morales zu beschuldigen und mit der Rückkehr von Orestes zu drohen.

3.3. "SOBALD ORESTES ZURÜCK KEHREN WIRD"
TRIO Elena - Nélida und Soriano.
Der Name von Orestes löst verschiedene Perspektiven aus. Elena: "Orestes wird mein Arm der Rache sein." Nélida: "Orestes!. Warum nur seinen Namen rufen? Ich will nicht noch mehr Tote." Soriano: "Ich werde nicht flüchten wie ein Feigling. Ich habe mich nicht klein gemacht vor dem Vater, weniger also werde ich es nun tun." Nélida verläßt die Bühne, verachtet durch den Haß von Elena, Soriano folgt ihr.

4.1. "ABER NICHT FÜR MICH"
DUO. WALZER: Elena und Vicente.
Vicente, der Freund von Orestes, trifft Elena. Er war gekommen, um ihr sein Beileid auszusprechen. Vicente versucht Elena von der Übermacht und Gewalt der Welt des Vaters abzubringen, an der sie jedoch festhält. Er versucht sie zu überzeugen, ein eigenes Leben zu beginnen:"Draußen existiert eine andere Welt, ohne Kampf und ohne Ärger, draußen gibt es ein anderes Leben". Elena akzeptiert seine Gründe nicht: "Aber nicht für mich. Heute weiß ich, daß ich gestern glücklich war". Sie lehnt ihn ab und fordert Mut und Rechtschaffenheit, um den Tod des Vaters zu rächen. ERINNERUNG VON ELENA. Alleine geblieben, beginnt Elena die glücklichen Tage zusammen mit ihrem Vater herauf zu beschwören. Die Erinnerung der Vergangenheit macht diese herbeigewünschten Tage lebendig. Sie befreit sich von ihrer Trauerkleidung und sieht aus wie ein junges Mädchen. Sie beginnt ihren Vater zu rufen, der schließlich erscheint.

5.1. "VERFÜHRUNG UND VERLASSENHEIT"
CHOREOGRAPHIE von Elena und Morales.
Elena, angezogen durch die Präsenz von Morales, betritt den Raum des Rückblicks. Sie bleiben beide alleine zurück in einem hingebungsvollen und doch einsamen Tanz. Jedesmal wenn Morales Elena verläßt, findet sie sich in schmerzlichen Situationen wieder, in denen sie von ihrer Mutter und ihrem Umfeld angegriffen wird. 5.2. "DIE WELT VON ELENA UND IHRE GESPENSTER". DIALOGE UND CHOREOGRAPHISCHE SITUATIONEN. Elena - Morales - Nélida - Teresa - Soriano. Hier zeigen sich die unterschiedlichen Beziehungen von Elena zu ihrem Umfeld. Die kompetitive und eifersüchtige Relation zu ihrer Mutter und deren Umgebung werden deutlich. Nélida-Teresa (die Mutter und die jungen gleichaltrigen Mädchen). Nélida: "Es scheint, daß es Elena gefällt, Männer zu erschrecken". Teresa: "Ah, Doña Nélida, also wird Elena ohne einen Mann bleiben" . Nélida-Soriano (das Weibliche und die Verführung). Nélida: "Sie verstehen es sehr wohl mit einer Frau zu sprechen". Soriano: "Nicht immer, es kommt darauf an". Nélida-Morales (die Frau): Nélida: "Langsam, es scheint daß Du ungeduldig bist...Faß mich nicht so fest an, ich werde schon nicht entwischen". Um diesen Erscheinungen entfliehen zu können, versucht Elena sich immer wieder in die Arme ihres Vaters zu flüchten. Sie bleibt jedoch definitiv verlassen, als sie Nélida in den Armen von Morales entdeckt. Die Erscheinung von Teresa lenkt sie von diesem Bild ab: "Elena, so wirst Du niemals heiraten!".

5.3 GESANG von Soriano.
(Traditionelles Thema: "WENN DU NICHT DA BIST") und GESANG von Nélida. (Traditionelles Thema: "EINER"). QUOD LIBET von beiden Themen. DIALOG von Elena und Teresa.
Eifersüchtig rennt Elena zu ihrer Mutter: "Glauben Sie, daß mein Vater wegen Ihnen zurück kommen wird? Nein! Wegen mir! Und ich werde mir das rote Kleid anziehen, damit er mich darin sehen kann.". Man hört Soriano singen: "Wenn Du nicht da bist, dann duften die Blumen nicht, wenn Du gehst, umhüllt mich der Nebel.". Elena drückt im Selbstgespräch ihren Ärger darüber aus, daß dieses Lied ihrer Mutter gewidmet ist und daß - wegen der Abwesenheit ihres Vaters - sie selbst sich jeden Tag einsamer fühlt und er, der Vater, einziges Objekt ihrer Begierde, ihr nicht genügend Aufmerksamkeit zukommen läßt. Nélida beginnt zusammen mit Soriano zu singen: "Wenn ich das Herz hätte, das selbe welches ich verloren habe, wenn ich lieben könnte wie früher, ohne zu befürchten.". Elena hört ihnen verzweifelt zu und vergleicht ihre eigene Erscheinung mit der ihrer Mutter. Sie selbst findet, daß sie älter und trauriger aussieht als ihre Mutter. Sie fragt sich: "Und wenn ich meine Frisur verändere?". Teresa erscheint wieder. Desinteressiert in diese Situation, nimmt sie Elena zum Club Social mit.

5.4 "STOLZ DER KREOLEN".
DER TANZ IM CLUB SOCIAL. CHOREOGRAPHIE, GESANG UND DIALOGE. Elena-Nélida-Teresa-Morales- Soriano - Vicente - Tänzer.
Das Orchester des Clubs beginnt zu spielen. Familiäres Ambiente einer typischen Tanzveranstaltung des Stadtviertels im klaren Kontrast zu der Vorstadtmilonga (2.2) der Unterwelt. Elena, Nélida und Teresa sitzen und beobachten den Tanz. Nélida unterhält sich mit Teresa. Elena scheint schlecht gelaunt und verspannt, so als ob sie auf jemanden warten würde. Einige junge Männer nähern sich und fordern Elena und Teresa zum Tanz auf. Elena lehnt ab. Teresa akzeptiert. Nélida unterhält sich mit Vicente und beobachtet den Tanz. Morales taucht zusammen mit seinem Begleiter Soriano auf. Seine Haltung ist provokativ und steht im absoluten Kontrast zu der freundlichen Stimmung dieses Ortes. Elena fängt ihren Vater ab mit den Worten: "Ich habe auf Sie gewartet, Vater. Ich habe mit niemandem getanzt.". Ohne ihr irgendwelche Aufmerksamkeit zu schenken, richtet sich Morales an seine Frau und zerrt sie gewaltsam aus dem Club. Elena, die ignoriert wurde, läuft verzweifelt hinter ihnen her. Die Tanzveranstaltung geht weiter, so als sei nichts geschehen. 5.5 "DIE JALOUSIE" Elena - Nélida und Morales. Ein Lichtschein läßt die umschlungenen Körper von Morales und Nélida sichtbar werden. Elena spioniert ihnen mit wachsender Beklemmung nach. Wie ein verwundetes Tier fällt sie wie besiegt zu Boden. Ende des Rückblicks.

6.1 "ICH BIN EINE WUNDE". DIE TOTENWACHE
ARIE von Elena.
Herzzerreißend hüllt Elena sich wieder in ihr Trauergewand und singt von ihrem Wunsch nach Rache: "Ich bin die Wunde, die niemals schließen wird. Groll erleichtert Deine Abwesenheit, Groll hält mein Leben aufrecht.".

6.2 DUO von Elena und Nélida
QUOD LIBET BEIDER THEMEN.
Nélida kommt herein und nimmt ihren Gesang wieder auf: "Welch Trostlosigkeit! Mein Leben ist dieser trockene Boden, auf dem die Liebe nicht wachsen wollte....Meine Träume sind weggefegt durch einen unbarmherzigen Wind.". Elena fordert ihre Mutter heraus: "Jetzt wo sie Dich von meiner Seite gerissen haben, bist Du doch nicht gegangen. In meinen Adern pulsiert Dein Blut".

7.1 "DIE ANKUNFT VON ORESTES"
(Ohne musikalische Untermalung) Die gesamte Kompanie. Das musikalische Klima der Totenwache kehrt zurück. Man hört das Gemurmel der Stadtbewohner. Nélida ahnt die Ankunft ihres Sohnes. Man erkennt die Silhouette eines Mannes dem mit Furcht der Weg freigegeben wird. Orestes ist angekommen. Nach einer ersten Verwirrunng erkennt Nélida ihn gefühlvoll: "Orestes!" Elena läuft zu ihrem Bruder hin, um ihn über den Tod des Vaters aufzuklären. Orestes antwortet ihr mit den Worten: "Es gibt keinen Messerkampf, der einen solchen Mann töten könnte.". Elena umarmt ihn und ruft aus: "Endlich wieder gibt es einen Mann in diesem Haus!".

7.2 "DU BIST GEGANGEN"
ARIE von Orestes.
Orestes nähert sich dem Ort, an dem sein Vater ruht. Abseits von allen singt er:"Du bist gegangen und mit Dir das Leban. Mir bleibt diese Beklemmung ohne Rast. Jetzt bin ich da, um Deiner Spur zu folgen, jetzt bin ich da, damit Du nicht stirbst."

7.3 "DIE ÜBERGABE DES ERBES"
TANGO RITUAL: CHOREOGRAPHIE DES MALEVAJE. Orestes, der Malevaje, Morales und "Die Frau der Milonga".
Die Totenwache verwandelt sich in einen matphysischen Raum, die Teilnehmer verändern sich, um am Ritual teilzuhaben. Nélida, Elena und Soriano ziehen sich aus dem Blickfeld von Orestes zurück. Der Malevaje, angeführt durch "Die Frau der Milonga" ehrt den Guapo Morales. "Die Frau der Milonga" nähert sich dem Körper von Morales und erhebt ihn mit einer Umarmung. Zusammen tanzen beide leidenschaftlich, sie sind das Symbol dieser gewaltigen, arroganten und grausamen Welt. Der Trauerzug trägt den toten Körper von Morales weg. "Die Frau der Milonga" stellt sich Orestes entgegen und legt ihm mit Bestimmung das Messer von Morales in die Hand. Orestes, durch Elena beobachtet, bleibt alleine zurück, den Blick fest auf die Waffe seines Vaters gerichtet.

II AKT

8.1 "DU HAST MIR DIE ILLUSION GERAUBT, DICH ZU LIEBEN".
ARIE von Nélida.
Es ist Nacht, Nélida ist alleine und blickt auf den leeren Hahnenkampfplatz. In ihren Händen hält sie die Kleidung von Morales. Sie betrachtet diese, bis dieser Kontakt sie schließlich mit Beklemmung und Trauer füllt. Sie wirft die Kleidungsstücke mitten in den Kreis des Kampfplatzes. Der Kampf findet jetzt zwischen ihr und ihrer Erinnerung statt. "Bevor ich Deinen Namen kannte, hatte ich schon von Dir geträumt, Dich geliebt. Ich habe mir Deine Augen vorgestellt, Deine Lippen gezeichnet...Du warst der Mann, auf den ich gewartet hatte. Soviel Feuer, soviel Brennen, und Du hast mich leer gelassen...leer. Du hast mir die Illusion geraubt, dich zu lieben".

9.1 "DIE VORSTADT".
CHOREOGRAPHIE der VORSTADT UND TANGO VON SORIANO. Soriano und der Malevaje.
Es unterbricht eine Milonga. Die Vorstadt bevölkert sich mit Compadritos und deren Frauen. Soriano nimmt am Tanz teil. Das Alltagsleben in der Vorstadt. Soriano singt sein "Credo": Seinen Glauben an die Werte eines mutigen und tapferen Mannes: "Vorstadt Schwelles des Mutes, Spur, die meine Kindheit geprägt hat. Draußen ist die Welt entfernt und fremd...Kerl in der Milonga und auf der Tanzfläche des Lebens, mein Ruhm hat aufgrund der Kraft von Dreistigkeit gesiegt....In der Stunde des Streites kennen ich kein Ducken und auch kein Ausweichen".

10.1 "DER ZWEIFEL VON ORESTES".
DOPPELTES DUO: Elena und Orestes . Nélida und Soriano, später QUARTETT
Elena und Orestes führen einen Dialog der sich später mit dem von Nélida und Soriano mischt. Elena erzählt ihrem Bruder, wie der Vater in Einsamkeit verblutet ist und daß es ihre Pflicht ist, den Schuldigen zu finden. Nélida bittet Soriano zu gehen, der jedoch akzeptiert diesen Vorschlag nicht, da dieser ihm wie eine Flucht erscheint. Die Texte beider Duos mischen sich. Elena: "Du mußt den Schuldigen entlarven. Das ist Deine Pflicht. Zweifel nicht. Zaudere nicht." Orestes: "Und wenn es ein sauberer Kampf war und er innerhalb seiner Regeln gestorben ist?" Nélida: "Ich werde nicht erlauben, daß sie sich messen, diesmal handelt es sich um Dich und um meinen Sohn". Soriano: "Die Karten sind gespielt. Ohne Ehre kann man nicht leben." Nélida: "Was interessiert mich die Ehre im Angesicht des Lebens." Elena: "Nur durch Verrat kann man einen Mann wie ihn töten." Orestes: "Ich weiß, was meine Pflicht ist, wenn es einen Schuldigen gibt." Soriano: "Ich ziehe es vor, zu verlieren, die Ehre jedoch zu halten." Orestes: "Mir fehlt nicht der Mut, um meinen Vater zu ehren." Nélida: "Ich werde ihn solange reizen, bis jemand stirbt!" Soriano: "Es ist Zeit, das Herz einzusperren und sich dem Glück entgegen zu stellen." Elena: "Die Rache muß heute noch sein."

10.2. DIALOGE OHNE MUSIKALISCHE UNTERMALUNG.
Elena: "Und wenn der Mörder Soriano war?" Nélida: "Der Haß erstickt sie.". Soriano: "Bisher habe ich mich taub gestellt, weil Morales da war. Aber ab jetzt...". Orestes: "Bin ich da, Soriano. Sie, der Gefolger meines Vaters, draußen vor der Tür und ich, der Sohn, drinnen in meinem Haus.". Soriano hält sich zurück und geht. Nélida nähert sich ihrem Sohn mit Trauer, Elena jedoch, siegreich, fängt sie ab: "Besser wäre es, Sie ließen den anderen nicht länger warten.". Nélida geht ab.

11.1. "DIE LUFT BRANNTE"
DUO und TRIO: Elena und Orestes.
Soriano im Rückblick. Sobald sie alleine zurück bleiben, läß Elena ihrem Haß freien Lauf: "Niemand schien etwas zu bemerken...nur ich...nur sie, er und ich...wir drei alleine festgenagelt an einem selben Angelhaken, die Luft brannte und ich brannte, brannte, brannte! Orestes vzwischendurch: "Dein Mißtrauen ist eine alte Sache, immer vollr Wut, aus dem Dunkeln nachspionierend wie ein eifersüchtiges Raubtier, aus dem Hinterhalt nachstellend... immer alleine, ohne Mann..." Mit einem sich steigernden und immer beklemmender werdenden Rhythmus erinnert Elena sich an Soriano, der sich hämisch singend der Szene nähert: "Was für eine ungleiche Sache ist doch eine Frau ohne Mann, Witwe ohne Ehefrau gewesen zu sein, ein Brennesselfeld das Bett, das Bett der Frau ohne Mann....". Wütend stellt sich Elena Soriano entgegen: "Halten Sie den Mund! Hören Sie auf zu singen!....Sie spielen den Hahn, sobald mein Vater das Haus verläßt. Ich könnte Sie töten.". Soriano hält ihre Hände fest: "Wie. Mit diesen Händchen?". Elena befreit sich, erschreckt durch die körperliche Nähe von Soriano: "Sie ekeln mich an, fassen Sie mich nicht an!". Soriano: "Meiner Meinung nach ekeln alle Männer Sie.". Elena:"Versdammter!" Soriano nimmt wieder seine ironische Haltung an und beginnt zu singen. Elena unterbricht ihn: "Und was ist eine Frau, der ein einzelner Mann nicht genügt?". Das Bild von Soriano verschwindet. Orestes, abseits der Erinnerung seiner Schwester, singt weiter, bis sie ihm schließlich erzählt, daß sie Soriano und Nélida zusammen gesehen hat:"Im Bett von Vater, dort wo wir beide geboren wurden", und daß dies der Grund war, warum er umgebracht wurde. Orestes akzeptiert: "Es ist sinnlos, dem Schicksal auszuweichen.". Elena übt Druck aus: "Es muß noch heute Nacht sein.". Orestes geht ab. Elena: "Ich kann nicht ruhen. Orestes ist schwach ... er zweifelt. Ich muß ihn mit Haß füllen.".

12.1. "ES IST BEREITS ZEIT, DAS HERZ ZU SENDEN"
ARIE von Soriano. Soriano gesteht: "An ihr habe ich meine Zuneigung verankert und mich hingegeben ohne knauserig zu sein....aber das Schicksal fordert die Rechnung. Jetzt ist es bereits Zeit, das Herz zu senden.".

12.2. "DER HAHNENKAMPFPLATZ"
CHOREOGRAPHIE. Orestes - Soriano - Vicente und die Guapos.
Die Männer von Morales messen sich untereinander im Kampf. Der Ritus: kämpfen ist ein Fest. Orestes und Vicente beobachten, ohne teilzunehmen. Die Männer provozieren Vicente, Orestes wird zurück gehalten, damit er sich nicht einmischen kann. In der Herausforderung ist Vicente der Besiegte und Orestes dringt in den Kampfplatz ein um ihn zu verteidigen, in diesem Kampf tötet er einen der Männer.

12.3. "ES IST SINNLOS, DEM SCHICKSAL AUSZUWEICHEN"
ARIE von Orestes.
Orestes bleibt alleine zurück: "Ich bin gefangen in der Falle, die das Schicksal mir gestrickt hat. Jemand anders hat bereits für mich den Untergang meiner Tage geschrieben. Ich werde keine Hoffnung und Illusion mehr haben, wozu träumen, wenn doch der Zufall einen anderen Weg für mich gewählt hat.".

12.4. "DIE GEGENÜBERSTELLUNG"
Orestes geht sein Schicksal zu suchen. Soriano taucht auf, beide Männer messen sich. Sobald beide dicht voreinander stehen, greift Orestes nach seinem Messer. Die Stimme Nélidas hält ihn jedoch zurück. Orestes, besiegt durch die Stimme seiner Mutter, bleibt wie gelähmt stehen. Soriano entfernt sich und blickt dabei Orestes mit Abscheu an. DIALOGE UND RÜCKBLICKE VON NÉLIDA UND ORESTES.

13.1. "DU BIST NICHT GESCHAFFEN, UM ZU TÖTEN"
DUO Y DIALOG von Nélida und Orestes.
Nélida: "Orestes, Du bist nicht geschaffen, um zu töten. Du kennst keinen Haß und keinen Groll, noch kannst Du Dich retten.". Sie betont, daß Orestes immer ihr ähnlich war und nicht seinem Vater. Er jedoch weist dies zurück und betont, daß er alles seinem Vater schuldet. Orestes: "Ich werde mich nicht beugen. Ich bin wie mein Vater. Ich schulde ihm alles, was ich bin.". Nélida beichtet ihm, daß sein Vater ihn nie lieb hatte, daß sein Vater ihn verachtet hat, daß es sein Vater war, der ihn dazu gebracht hatte, dieses Verbrechen zu begehen. Orestes widersteht der Zuneigung seiner Mutter und betont: "Ich bin nicht mehr der Selbe wie gester. Das Gefängnis, die Einsamkeit und das schlechte Gewissen haben nichts von dem übrig gelassen, der ich einmal war.". Nélida beginnt ihn mit einem Lied aus seiner Kindheit zu trösten, dem Orestes sich für einen kurzen Moment hingibt, um dann letztendlich doch seine harte Position wieder einzunehmen. Nélida entscheidet sich, ihm die Wahrheit zu erzählen.

13.2. "DIE BEUGUNG"
Nélida und Orestes.
Im Rückblick Morales -Soriano und der Abgeordnete. Morales, gepreßt durch den Abgeordneten der Partei, entscheidet sich, seinen Sohn auszuliefern. Nélida: "Er hat Dich dazu gebracht, dieses Verbrechen auszuüben und später hat er Dich nicht unterstützt.". Soriano: (im Rückblick zum Abgeordneten) "Aber welcher Mann wird seinen eigenen Sohn der Polizei ausliefern?". Abgeordneter: "Sie, Morales, wollen doch jetzt nicht von der Partei ausgeschlossen werden, ..stimmts? Und Morales?...kann ich dem Kandidaten jetzt eine gute Nachricht überbringen?". Nélida: "Er hat Dich ausgeliefert." Orestes: "Feigling.".

13.3. "KAMPF ZWISCHEN MORALES UND ORESTES"
CHOREOGRAPHIE. Und "ALLEINE" ARIE von Orestes.
Orestes bricht zusammen "Nein, das kann nicht sein, das ist nicht wahr.". Die Figur von Morales wächst zu einem großen Hahn, der bereit ist zum Kampf und bewegt sich auf Orestes zu. Dieser, verzweifelt, stellt sich ihm entgegen: "Du hast mich verraten, mich, der Dir alles gegeben hat, der alles dafür getan hat, um Deine Liebe zu gewinnen.". Morales, diesem Schmerz gegenüber gleichgültig, fordert ihn heraus, zerrt ihn auf die Beine und beide messen sich. Am Ende geht Morales mit Verachtung weg. Orestes: "Es ist ein Grauen zu wissen, daß ich ein Niemand war für Dich. Ein großer Schmerz zu verstehen, daß ich Dir niemals wichtig war...Ich bin niemand, ich bin nichts. Nur Dein Vergessen und Deinen Verrat konnte ich gewinnen. Allein...wie ein Paria...allein...verletzt und ohne Hoffnung, Deine Hand hat sich ohne Liebe geöffnet und mich verurteilt."

14.1. "DU WARST EIN GUACHO"
DIALOG von Orestes und Vicente.
Vicente gibt seinem Freund neue Kraft. Er sagt ihm, daß die Zeit Morales getötet habe, daß "Guapos wie er schon längst keine Angst mehr auszulösen wissen.". Orestes: "Aber...wer hat ihn umgebracht?" Vicente: "Er hat sich selbst umgebracht, indem er Dich auslieferte".

15.1. "DIESE ERLEICHTERUNG"
ARIE von Elena.
Elena, überzeugt, daß Soriano bereits tot ist, kommt vollkommen in Rot gekleidet. Sie fühlt sich befreit von ihren quälenden Gedanken. "Diese Erleichterung ist so neu, daß ich nicht weiß, was ich damit machen soll. Es gibt kein Stöhnen mehr, das schreit, kein Flüstern, das heult. Und die Hintertüren quietschen nicht mehr beim Schließen. Die Holzdielen beschweren sich nicht mehr unter der Last ihrer Füße... Soviel Stille...soviel Stille, daß es schmerzt.."

15.2. "WIR WAREN ZWEI WAISE"
DUO von Elena und Orestes.
Orestes kommt herein und beobachtet Elena: "Arme Elena! Ich schaue Dich an und sehe, daß wir zwei Waise waren!". Glücklich bittet Elena ihren Bruder, daß er ihr nichts erzählen soll und auch nichts bedauern: "Hab keine Angst, laß mir das Schlechte, das Traurige, ich kann das alles ohne Schmerzen ertragen." . Beide singen von ihrer Freiheit. Orestes: "Ich bin frei. Ich kann wählen... einen Weg, ein Morgen... träumen.". Elena: "Ich bin frei. Ich brauche nicht mehr...spionieren, nachstellen, eifersüchtig sein.". Elena betont, daß sie sich frei fühlt, weil Soriano nun endlich tot ist. Orestes antwortet ihr, daß er ihn nicht getötet habe, weil Haß allein nicht ausreiche, um dies zu tun. Elena dreht durch.

15.3. "HIER ZEIGT SICH DER MUT"
CANDOMBE FINAL. Die gesamte Kompanie.
Elena: "Du hast Deine letzte Chance verspielt. Vater hatte Recht, Du bist kein Kerl!". Die Männer und Frauen des Malevaje kommen herein. Nélida, Vicente, "Die Frau der Milonga", alle zeigen sich, um Orestes zu bezwingen. Bedrängt durch seine Schwester und den Malevaje, sieht er seinen Vater herein kommen und sucht seine Nähe: "Niemals hast Du mir zuhören wollen. Ich konnte nicht so sein wie Du.". Sein Vater jedoch ignoriert ihn wieder, während Elena ihn weiter unter Druck setzt. Soriano kommt herein. In einem letzten Versuch, seinen Vater für sich zu gewinnen, tötet Orestes Soriano. Nélida rennt zu ihrem Sohn, dabei dringt das Messer, welches Orestes noch in der Hand hielt, in ihren Körper ein. Ein Chaos entsteht, in dem alles immer wieder von vorne zu beginnen scheint. Die Toten, Orestes auf der Suche nach seinem Vater, Elena in ihrem Versuch sich Orestes zu nähern und der Malevaje, der alles umkreist. Elena: "Dir hat der Mut gefehlt, Dir hat der Wert gefehlt, um Deinen Vater ehren zu können. Um alles für ihn zu geben.". Der Malevaje: "Hier zeigt sich der Mut. Töten oder getötet werden. Töten, töten, töten!". Orestes: "Ich konnte nicht so sein wie Du." Soriano: "Das Haus hat die Kontrolle verloren. Es gibt bereits keine Ordnung mehr.". Nélida: " Mein armer Sohn! Orestes!". Schließlich ist das Bild von Morales das einzige, welches aufrecht und erhoben stehen bleibt. Elena wird von der Gruppe ausgeschlossen. Sie bleibt alleine. Beschreibung typisch argentinischer.

ENDE

Ausdrücke:
CANDOMBE: Rhythmischer Tanz der Schwarzen. Candombe Final. Letzter Candombe.
CLUB SOCIAL: Tanzveranstaltung im Club des Stadtviertels. Fröhliche und familiäre Atmosphäre.
COMPADRITO: Typischer Charakter aus der Tangowelt. Aufschneider.
GUACHO: Elternloses Tier. Welpen ohne Vater und Mutter.
GUAPO: kämpferischer Typ, schnell mit dem Messer, die Ehre mit dem Messer verteidigend
MALEVAJE: Ausdruck für die kämpferische Unterwelt
MILONGA: Typische Tanzveranstaltung voller Rituale, Regeln und Kodexe.
VELORIO: "Velorio" ist hier mit dem Begriff Totenwache übersetzt. In Argentinien werden die Toten bis zu ihrer Beerdigung in einem öffentlichen Raum aufgebahrt, um dort von den Hinterbliebenen beweint und betrauert werden zu können.

Synopse / Szenar

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